Soziale Leitbilder polizeilichen Handelns

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Autor: Edmund H. Funke

Seiten:

Erscheiningsjahr: 1990

ISBN: 3-927983-02-0

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Vorwort

Der Begriff der "Asozialität" als soziales Image und als sprachliches Symbol gesellschaft-licher Minderwertigkeit existiert - obwohl immer weniger aktiv benutzt - nach wie vor in den Köpfen vieler Bürger. Die Negation der Existenz des Begriffes hilft dabei bei der Bewältigung der sich hinter diesem Begriff verbergenden Problematik ebenso wenig weiter wie Versuche der Umdefinition oder Neudefinition, die Probleme eher verschleiern als lösen. Ein "ehrlicherer" Umgang mit diesem Begriff und eine gleichzeitige Hinterfragung der damit verbundenen subjektiven Vorstellungen, die mit dem Terminus "Asozialität" verbunden sind, ermöglicht ebenso wie die Darstellung der über diesen Begriff anderen zugeschriebenen objektiven Seinsqualitäten eine realistische Diskussion der tatsächlichen Probleme sowohl in den Köpfen der Definierenden, als auch in der diesen sich präsentierenden Realität. Besonders bei denjenigen, die mit sozial Benachteiligten, ihrer Erscheinungsweise und ihren Problemen konfrontiert sind, stellt sich die Frage, ob die Verwendung dieses Begriff für ein entsprechendes (negatives und stigmatisierendes) Bewußtsein steht, oder ob die Benutzung der überkommenen Sprachhülse "Asozialität" unabhän-gig von tatsächlich vorhandenen Einstellungen ist bzw. ob lediglich die Benutzung des pejorativen Begriffes unterbleibt, ohne daß auch die damit verbundenen Vorstellungen abgebaut sind. Die empirische Studie von Funke geht der Frage nach, welche Vorstellungen von "Asozialität", "Asozialen" und "asozialem Verhalten" bei Polizeibeamten vorhanden sind bzw. welche Verhaltensweisen mit diesem Begriff verbunden werden und vergleicht diese Vorstellungen mit denen anderen (sozialer) Berufsgruppen. Insofern können die Ergebnisse dieser Studie dazu dienen, eine angemessene Diskussion über die Verwendung der Begriffe von "Asozialität", "Asozialen" und "asozialem Verhalten" in Gang zu setzen. Vor allem aber können sie eine Reflektion darüber anregen, ob sich gesellschaftliche Erscheinungsformen und Probleme durch terminologische Umdefinition oder durch Veränderungen im Bewußtsein lösen lassen ("das Bewußtsein prägt das Sein") oder ob nicht viel mehr nach wie vor - in Umkehrung dieser Hegelschen Annahme - die Realität die Vorstellungen und damit das Bewußtsein das Sein prägt.

Heidelberg, März 1990, Thomas Feltes

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Eine empirische Studie zur Einstellung von Polizeibeamten gegenüber "Asozialität", "Asozialen" und "asozialialem Verhalten"

1. Gesellschaftliches Sein und soziale Bewertungsprozesse 7

1.1 "Normalbürger", "Asoziale" und "Prominente": Gesellschaftliche Fiktion und Wirklichkeit 7

1.2 Soziale Images: Scheindiagnosen und Handlungsleitbilder 9

1.3 Symbole gesellschaftlicher (Minder-)Wertigkeit 12

1.4 "Wenn zwei das Gleiche tun, so ist es doch noch nicht dasselbe" 17

1.5 Allmacht, Ohnmacht und "macht nichts!" im sozialen und gesellschaftlichen Definitionsprozeß oder: wer einmal aus dem Blechnapf frißt 25

2. Aufgaben und Orientierungen im polizeilichen Alltagshandeln 33

2.1 Polizeibeamte: Kontrolleure in sozialer und gesellschaftlicher "Zwickmühle" 33

2.2 Signifikante, soziale Leitbilder polizeilichen Handelns 41

2.3 Urteile von Schutzpolizeibeamten über "Asozialität", "Asoziale" und "asoziales" Verhalten - Ergebnisse einer empirischen Untersuchung 44

2.3.1 Anlage und Durchführung der Untersuchung und Strategie der Auswertung der Ergebnisse 44

2.3.2 Zentrale Inhalte und Struktur des Bewußtseins von Schutzpolizeibeamten über "Asozialität", "Asoziale" und "asoziales" Ver-halten und berufstypische Bewußtseinsabgrenzung gegen andere Sozialkontrolleure und "Normalbürger" 54

2.3.2.1 Annahmen der Schutzpolizisten über den "Asozialitätsgrad" spezifischer Sozialverhaltensweisen und Personen und über den Realitätsgehalt von Aussagen über Entstehungsbedingungen und Folgen von "Asozialität" 54

2.3.2.2 Dimensionen der Sicht von "Asozialität", "Asozialen" und "asozialem Verhalten" 59

2.3.2.2 Schutzpolizeispezifische Vorstellungen von "Asozialität", "Asozialen" und "asozialem Verhalten" 71

3. Zusammenfassung und Diskussion 83

4. Literatur 92